Der TSV Kleinglattbach 1954 e.V. und seine Geschichte

 

Bereits am 14.07.1912 wurde in Kleinglattbach ein Turnverein gegründet.

Der damals gegründete Verein war ein bürgerlicher Turnverein, der seine Wurzeln in der deutschen Turnbewegung des Turnvaters Jahn hatte. Die Sportarten, die damals betrieben wurden, waren Geräteturnen, Leicht- und Schwerathletik sowie Turnspiele. Der erste Übungsraum war ein Teil des Geräteschuppens am Pappelweg, der von den Hofbesitzern von Neurath zur Verfügung gestellt wurde. Dort wurde auch im Freien Sport betrieben. Der Mangel an geeigneten Sportstätten wurde wahrscheinlich durch Begeisterung und Freude an Sport und Spiel wettgemacht.

Der 1. Weltkrieg, der schon zwei Jahre nach der Vereinsgründung ausbrach, brachte zwangsläufig das frühe Ende der sportlichen Betätigung innerhalb des Turnvereins Kleinglattbach. Nach dem Ende des Krieges, in dem so mancher Turner gefallen war, lebte die Vereinstätigkeit in den Jahren 1919/1920 wieder auf. Der Sport wurde wieder beim Pappelweg betrieben, später in einer Hütte beim Feuersee und dann in einer Hütte am Wiesle. Diese Hütte wurde vom Turnverein gebaut und stand noch bis zum Bau des jetzigen TSV-Vereinsheims. Eine - für die damals noch recht kleine Gemeinde - große Zahl von Aktiven und Mitgliedern zeigte, dass in der damaligen wirtschaftlich schlechten Zeit ein echtes Bedürfnis zum gemeinsamen sportlichen und geselligen Zusammenkommen bestand.

Vereinslokal war das Gasthaus Krone. Der Mitgliedsbeitrag für Erwachsene betrug 15 Pfennig und später 20 Pfennig monatlich. Die Sportarten waren wie vor der Kriegsunterbrechung Geräteturnen sowie Leicht- und Schwerathletik. Ende der zwanziger und anfangs der dreißiger Jahre begannen die Kleinglattbacher Sportler auch Fußball zu spielen. Zu einer Mannschaft, die in einer Verbandsrunde mitspielte, kam es jedoch nicht. Die sportlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten innerhalb des Turnvereins Kleinglattbach hörten etwa 1935 auf. Obwohl der Turnverein Kleinglattbach nicht zu den Vereinen gehörte, die damals im Dritten Reich verboten und deren Vermögen einbezogen wurde, sahen es die damaligen Machthaber sicher nicht ungern, wenn sich solche Vereine auflösten.

Danach dauerte es fast 20 Jahre, bis am 30.10.1954, "einem vielfach geäußerten Wunsch unserer Jugend entsprechend", ein Turn- und Sportverein gegründet wurde, zu dem sogleich 26 Sportinteressierte ihre Mitgliedschaft erklärten. Als Sportarten wurden eingerichtet Fußball, Faustball und Tischtennis, als Sparten vorgesehen Leichtathletik und Turnen.

Am 30.10.1954 trafen sich im Saal der alten Schule (Rathaus) am Sport interessierte, um einen neuen Sportverein zu gründen. Da im gleichen Jahr Deutschland erstmalig Fußball-Weltmeister wurde, stand der Fußballsport gerade bei den jungen Kleinglattbachern im Blickfeld.

 

Wie aus dem Protokoll dieser Zusammenkunft mit dem Einladungsschreiben dazu hervorgeht, war der Antrieb zur Vereinsneugründung derselbe, der schon zur Gründung des Turnvereins Kleinglattbach im Jahr 1912 geführt hatte - Leibeserziehung, Kameradschaft, Geselligkeit sowie die neu hinzugekommene Begeisterung für den Fußballsport.

Nach einer Werbeaktion fand am 11.12.1954 im Saal des Gasthauses Krone die eigentliche Gründungsversammlung statt. Anwesend waren etwa 40 Mitglieder (dies war die Hälfte der inzwischen gewonnenen Mitglieder). Eine Satzung wurde beschlossen und ein Vorstand gewählt. 1. Vorsitzender wurde Erwin gerlach. als Sportarten wurde eingerichtet: Fußball, Faustball und Tischtennis. Die Sparten Leichtathletik und Turnen wurden vorgesehen. Vereinsfarben wurden "Rot/Schwarz", die später in Anpassung an die Gemeindefarben in "Grün/Weiß" geändert wurden. Als Monatsbeiträge wurden festgesetzt: 0,50 DM für Erwachsene, 0,25 DM für Jugendliche und 0,15 DM für Kinder. Nach heftiger Debatte wurde beschlossen, dem Verein den Namen "Turn- und Sportverein Kleinglattbach - TSV" zu geben.

Damit war eine entscheidende Weiche für den künftigen Vereinssport in Kleinglattbach gestellt. Bedeutete diese Namensgebung doch, dass dieser Verein die Heimat aller Sportarten in der Gemeinde sein wollte. Keine Sportart sollte - aus welchen Gründen auch immer - abseits stehen müssen. Die Entwicklung des Vereins bis heute bestätigt, wie richtig und modern die Entscheidung der Gründer war; bedeutet sie doch: Freiwillige Gemeinsamkeit und Gleichbereichtigung aller Mitgieder und Sportarten unter einem Dach.

Für den ersten Paukenschlag in der noch jungen Vereinsgeschichte sorgten die Fußballer. Bereits im ersten Jahr, in dem die Glabbicher Kicker an der Verbandsrunde teilnahmen, errangen sie die Meisterschaft in der C-Klasse und stiegen 1956 in die B-Klasse auf.

1962 wurden die sportlichen Aktivitäten der Leichtathletik eingestellt.

Auf Grund der stetig anwachsenden Mitgliederzahl und wegen des Fehlens einer gemeindeeigenen Turn- und Festhalle wurde 1965 der Bau eines Vereinsheims beschlossen. Im Mai 1967 war dann der Start der Bauarbeiten und nach sehr viel freiwilliger Arbeitsleistung und tatkräftiger Unterstützung insbesondere von Bauunternehmen konnte das TSV-Vereinsheim nach eineinhalbjähriger Bauzeit eingeweiht werden.

1991 wurde das im Jahr 1973 als Hartplatz angelegte Hauptspielfeld in einen Rastenplatz umgebaut, mit Kosten von über 300.000 DM ein weiterer finanzieller Kraftakt für den Verein.

Das Vereinsheim, das bis zum Bau der "Halle im See" auch für sportliche Zwecke genutzt wurde, wurde im Jahr 1999 mit einem Kostenaufwand von wiederum 100.000 DM komplett renoviert.

Groß war das Entsetzen insbesondere bei den älteren Kleinglattbachern, als in der Nacht zum 13. Mai 2011 ein verheerender Brand "ihr TSV-Heim" bis auf das Untergeschoss in Schutt und Asche legte.

Doch die Verantwortlichen bewiesen Mut und machten sich mit der Zustimmung der Mitglieder unverzüglich an die Planung für den Wiederaufbau. Das Unglück wurde als Chance gesehen, den Neubau funktionell, zeitgemäß und repräsentativ am Ortseingang zu gestalten. Dank des großen Engagements aller Beteiligten - Architekturbüro, Bauunternehmer, Handwerker, Behörden, viele Mitglieder - und nicht zuletzt einer ausgeprägten Hilfsbereitschaft konnte bereits im Januar 2012 das Richtfest für das neue Gebäude gefeiert werden. Im September, nur 19 Monate nach dem vernichtenden Brandunglück, wurde das neue Domizil des TSV mit einer großzügigen Gaststätte und einer einladenden Sonnenterasse offiziell eingeweiht.

Einschließlich der Erfüllung gesetzlicher bzw. behördlicher Auflagen betrugen die Gesamtkosten rund eine Million Euro, wovon der TSV letztendlich einen Eigenanteil von 250.000 Euro zu tragen hat.

Mit Stand 2015 hat der TSV rund 1.000 Mitglieder. Das "jüngste Kind" des TSV, die Tennisabteilung, die auch schon seit 39 Jahre besteht bietet seinen Spielern auf vier gepflegten Sandplätzen einen tollen Spielbetrieb und hat auf dem Tennisgelände ein gemütliches Tennisheim.